4,5 Beziehungsjahre bis zum Heiratsantrag

  • Die Zahl der Eheschließungen steigt seit einigen Jahren wieder
  • Auch das Alter der Brautpaare steigt kontinuierlich
  • Nach durchschnittlich 4,5 Jahren Beziehung kommt der Heiratsantrag

Hochzeiten nehmen langsam wieder zu

Mit über 44.000 geschlossenen Ehen im Jahr 2015 wurde in Österreich fast das Niveau aus den 80ern und 90ern des vergangenen Jahrhunderts erreicht. Wurden damals noch kontinuierlich 45.000 Vermählungen jährlich gefeiert, gab es in den letzten 15 Jahren einen deutlichen Rückgang. Erst seit 2010 gibt es wieder eine leicht steigende Tendenz bei Hochzeiten. Und dennoch ist für viele das Thema „Hochzeit“ oder „lebenslange Bindung“ mit Tabus verknüpft.

Warum ist die Generation der Heiratswilligen so zögerlich?

Wir haben mit der Psychologin Gabriela Firnthrat darüber gesprochen. Und eine große Online-Umfrage mit 400 Befragten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz gemacht.

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Der Heiratsantrag – reine Männersache – das war gestern!

Im Rahmen unserer Umfrage haben wir Personen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz befragt. Ca. 90% der Umfrage-Teilnehmer waren weiblich. Durchschnittlich dauerte es bei den Befragten 4,5 Jahre, bis der Heiratsantrag gemacht wurde. Dabei sei festzuhalten, dass der Zeitpunkt für den Antrag ganz unterschiedlich ausfällt. So kam bei 21% der Befragten der Antrag binnen der ersten zwölf Monate, 27% mussten zwischen einem und drei Jahren warten, bei 49% der Befragten erfolgte der Antrag zwischen drei und zehn Beziehungsjahren und lediglich 3% der Paare war länger als 10 Jahre in der Beziehung, bevor der Entschluss zur ewigen Bindung fiel. Bei dem Thema „Wer stellt die große Frage“ sind wir nach wie vor sehr traditionell veranlagt. So geht in 9 von 10 Fällen der erste Schritt vom Mann aus. Jedoch muss dies nicht sein. Im Zuge der Emanzipation der Frau zeigt sich hier eine neue Entwicklung. So sagt bereits jetzt ein Viertel der Befragten, dass auch die Frau den ersten Schritt machen kann. Ein dadurch geändertes Rollenbild in der weiteren Beziehung sieht die Psychologin Firnthrat nicht: „Der Heiratsantrag ergibt sich aus der Geschichte des Paares und da kann es so oder so stimmig sein. Nachhaltige Wirkung gibt es aus dem, ob das Paar das Passende zulässt oder nicht.“

Sich über den Partner zu definieren ist out

Gabi Firnthrat beschäftigt sich seit 33 Jahren als Psychologin mit (Ehe)Paaren und bekommt die Frage „Was bringt es, verheiratet zu sein?“ sehr oft gestellt. „Es ist wohl mehr eine Sinnfrage geworden als die tatsächliche Angst vor einer lebenslangen Bindung.“, meint die Mödlinger Psychologin im Zusammenhang mit der Zurückhaltung bei den Eheschließungen. Sie sieht die Zeiten der Globalisierung und der Veränderungen als große Herausforderungen für uns Menschen und zwar in vielen Bereichen. „Vieles wird hinterfragt, viele suchen neue Modelle zur Bewältigung alltäglicher Probleme und auch die Ehe als kleinster Baustein unserer Gesellschaft ist einer Suche nach neuen Konzepten ausgesetzt.“

Firnthrat bemerkt bei 25- bis 35-jährigen immer mehr die Suche nach der eigenen Identität. So verwundert es kaum, dass das mittlere Erstheiratsalter im Jahr 2015 seit Anfang der 1990er Jahre bei den Frauen von 24,3 auf 30,3 Jahre und bei den Männern im gleichen Zeitraum von 26,5 auf 32,6 Jahre gestiegen ist (jeweils plus rund 0,2 Jahre gegenüber 2014) / Quelle: Statistik Austria.

Und doch ist das Sehnen nach Partnerschaft größer denn je. „Der Gedanke, ich könne mich eh wieder scheiden lassen, ist eigentlich meiner Erfahrung nach kaum vertreten. Oft sind eher die wahren Motive eine Ehe einzugehen von persönlichen Mängeln und Defiziten, wie zum Beispiel nicht allein sein können, geprägt und verhindern den Fokus auf die Entwicklung der Liebesfähigkeit in der Partnerschaft zu legen.“ schließt Firnthrat ihre Einschätzung.

Wenn JA – dann aber richtig

Wer sich schlussendlich traut, legt immer mehr Wert auf originellere Feiern. Unsere Erfahrung ist: „Die Paare wollen ihre Identität in die Feierlichkeiten stecken – sie wollen sich selbst verwirklichen. Heute heiratet ein wanderbegeistertes Paar nicht mehr im Dorfgasthaus – sondern auf einer Seilbahnstation mit Ausblick auf das umliegende Bergpanorama“.

Um allen Träumen gerecht werden zu können, haben wir im Mai 2015 Österreichs umfangreichste Hochzeitslocation-Datenbank mit aktuell 1.500 Locations aufgebaut. Von der Wiese bis zum Schloss, vom Wirtshaus bis zum Hauben-Restaurant und von der Scheune bis zum Schiff finden Heiratswillige die passende Location. Dabei gilt: Schnelligkeit ist das oberste Gebot! Die TOP-Hochzeitslocations sowie auch die TOP-Hochzeitsfotografen sind meist ein Jahr im Vorhinein ausgebucht. Wer also von etwas Besonderem träumt, möge nicht zu lange mit der Suche warten…

In diesem Sinne: viel Spaß beim Suchen eurer Traum-Location, Traum-Fotografen, Traum-Band und Traum-Auto! :)

Nächste Woche dürft ihr euch über eine Zusammenstellung der originellsten Locations in Österreich freuen!

If you liked it, then you should’ve put a ring on it – Interview mit Gabriele Firnthrat

Frei nach dem Motto „If you liked it, then you should’ve put a ring on it (Beyoncé)“ gehen wir diesen Monat der Frage nach, warum so viele Frauen jahrelang darauf warten müssen, dass ihnen ein Antrag gemacht wird und ob es überhaupt noch zeitgemäß ist, dass ER den Antrag stellen muss. Wir haben mit der Psychologin Gabriele Firnthrat, die seit 33 Jahren mit (Ehe)Paaren arbeitet, über das Thema gesprochen.

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Warum haben Menschen Angst vor lebenslanger Bindung?
Firnthrat: Die Zeit der Globalisierung und der Veränderungen stellen große Herausforderungen an uns Menschen und zwar in vielen Bereichen. Vieles wird hinterfragt, Vieles sucht neue Modelle zur Bewältigung und auch die Ehe als kleinster Baustein unserer Gesellschaft ist einer Suche nach neuen Konzepten ausgesetzt. Sowie die Frage nach der optimalen Kindererziehung ist auch die Frage nach Ehe oder nicht Ehe eine ganz sensible geworden.

Was „bringt“ es, verheiratet zu sein?
Firnthrat: Diese Frage höre ich von vielen Paaren in meiner Arbeit als
Psychologin. Wenn nicht die alte, romantische Tradition oder der Glaube aufrechterhalten werden will oder wirtschaftliche Gründe im Vordergrund stehen, suchen immer mehr Paare den wahren Sinn hinter
diesem Schritt. Es ist wohl mehr eine Sinnfrage geworden als tatsächliche Angst vor lebenslanger Bindung.

Was hindert Menschen daran, sich zu binden?
Firnthrat: Es ist wie beim Lotto – alles ist möglich! Und das in zweierlei Hinsicht. Ob eine Ehe heutzutage gut geht oder nicht, ist wie ein Lotto Sechser, meinen viele Paare. Wir alle kennen die jüngsten demographischen Daten. Sie zeigen, dass die Zahl der Eheschließungen pro 1000 Einwohner in der EU 28 in den letzten Jahrzehnten rückläufig ist, während die Zahl der Scheidungen zugenommen hat. Die Motive, sich auf einen Lotto Sechser also einlassen zu können, sind sicherlich sehr
unterschiedlich, doch sicherlich liegt Angst vor Bindung zum Teil auch dieser Entwicklungen zugrunde.
In zweiter Hinsicht gibt es auch immer wieder Überlegungen, ob man emotional einer Bindung fürs ganze Leben gewachsen ist. Zusammenhänge aus vergangenen Erfahrungen, ungeeignete Vorbilder
aus dem Elternhaus und persönliche Unsicherheiten blockieren viele Menschen, das Wagnis eine derart endgültige Entscheidung zu treffen. Der Gedanke, ich könne mich eh wieder scheiden lassen, ist eigentlich meiner Erfahrung nach kaum vertreten. Oft sind eher die wahren Motive, eine Ehe einzugehen, von persönlichen Mängel und Defiziten, wie
nicht allein sein können, z.B. geprägt und verhindern den Focus auf die Entwicklung der Liebesfähigkeit in der Partnerschaft zu legen.

Hat die Frage des Heiratsantrages auf die Beziehung eine nachhaltige Wirkung?
Firnthrat: Die Frage, ob und wie sich der gestellte Heiratsantrag auf die Beziehung in der Ehe auswirkt, lässt sich kaum allgemein und für generell gültig beantworten. Jedes Paar hat seine ganz individuelle Geschichte, seinen ganz persönlichen Verlauf der Beziehung und aus dem ergibt sich grundsätzlich, ob es eher passend ist, dass der Mann die entscheidende Frage stellt oder die Frau diese „Zügel“ in die Hand nimmt.
Denken wir kurz an die Filmszene aus dem Film „Die Braut, die sich nicht traut“: Nachdem die Frau ihre Ängste besiegt hatte, sich sicher wurde und mit der Frage vom geliebten Partner nicht mehr rechnen konnte, macht sie den Heiratsantrag in berührender Weise und für diese
Geschichte passt dies perfekt. Doch das kann kein allgemein gültiges Rezept sein. Der Heiratsantrag ergibt sich aus der Geschichte des Paares und da kann es so oder so stimmig sein. Nachhaltige Wirkung gibt es aus dem, ob das Paar das Passende zulässt oder nicht.

Welche Erfahrungen macht man in der Arbeit mit Paaren?
Firnthrat: Die Erkenntnis der Menschen liegt in diesen Generationen tief in der Suche nach eigener Identität. Sich über den Partner zu definieren ist einfach out und kann nicht mehr reibungslos gelebt werden. Und doch ist das Sehnen nach Partnerschaft größer denn je. Als ob es in uns hineingelegt ist!
Heutzutage will persönliche Freiheit, eigene Identität, gemeinsames Erkunden und Erkennen miteinander geteilt werden und es tut jeder gut daran, in seiner Partnerschaft zu erspüren, was passend ist, was authentisch ist und was liebevoll ist. Dann wird es möglicherweise mehrere gemeinsame Lebensmodelle als die herkömmliche Ehe
geben, aber auch mehr stimmige, originellere Heiratsanträge und auch wahrhaftigere Ehen.

Gabriele Firnthrat arbeitet seit 33 Jahren als Psychologin in Mödling. Herzlichen Dank für das Interview!